Der Zyklus der Hündin, wenn das Verhalten sich verändert

Veröffentlicht am 11. Jänner 2026 um 18:45

Warum ich diesen Blogartikel schreibe? 

Weil meine Hündin stark davon betroffen ist, und ja, nicht jede Hündin zeigt starke Verhaltensveränderungen in den verschiedenen Phasen. Aber schauen wir uns die einzelnen Abschnitte mal genauer an.

 

Der Läufigkeitszyklus gliedert sich in 4 Phasen:

Proöstrus, Östrus, Metöstrus und Anöstrus.

Die erste Läufigkeit tritt meist mit dem Erreichen des adulten Körpergewichtes auf. Bei kleinen Rassen die meist mit 6 Monaten schon ausgewachsen sind und bei großen Rassen erst nach Vollendung des ersten Lebensjahres.

Das durchschnittliche Läufigkeitsintervall beträgt 6-7 Monate. Es bestehen aber erhebliche rassebedingte und individuelle Unterschiede. Die normale Schwankungsbreite beträgt 4-12 Monate. Kurze Intervalle eher bei kleinen Rassen und beim Deutschen Schäferhund, 12 Monate zb beim Basenji und Dingo. 

 

  • Proöstrus (Vorbrunst)

Die Dauer des Proöstrus beträgt 3-27 Tage, durchschnittlich etwa 9 Tage. Die Vulva schwillt an und es kommt zu einem blutigem Scheidenausfluss. Dieser variiert mengenmäßig stark von kaum wahrnehmbar bis zu sehr ausgeprägt. Schon während der Proöstrusphase sind Hündinnen attraktiv für Rüden, lassen sich aber nicht decken. Gegen Ende des Proöstrus wehren die Hündinnen die Rüden nicht mehr ab, sondern setzen sich lediglich, wenn ihr Hinterteil beschnuppert wird. In dieser Zeit können Hündinnen auch träger und müder sein als sonst.

 

  • Östrus (Brunst)

Die Östrusphase dauert 4-24 Tage, durchschnittlich 9 Tage. Ihr Beginn ist gekennzeichnet durch die Deckbereitschaft der Hündin. Der Vaginalausfluss wird fleischwasserähnlich und eventuell leicht schleimig. Die Vulva ist in dieser Phase oft schon wieder etwas kleiner und weicher als im Proöstrus. Die Eisprünge beginnen meistens am 2. - 4. Tag des Östrus und erstrecken sich über 24-48h. Oft auch erkennbar in dieser Phase die Seitenhaltung der Rute und das Hochziehen der Vulva bei Berührung der hinteren Rückenpartie. 

 

  • Metöstrus (Nachbrunst)

Die Dauer des Metöstrus beträgt 9-12 Wochen. Die meisten Hündinnen lassen sich in den ersten 2 Tagen des Metöstrus noch decken.

 

  • Anöstrus

In dieser Phase fehlen jegliche äußeren Zeichen des Sexualzyklus. Die Dauer des Anöstrus ist außerordentlich variabel, weshalb die Läufigkeitsintervalle starken Schwankungen unterliegen.

 

Scheinträchtigkeit

Die Scheinträchtigkeit ist ein physiologisches Syndrom, bestehend aus psychischen und physischen Veränderungen, die 3-12 Wochen nach der Läufigkeit auftreten und 2 bis mehrere Wochen andauern können. Eine zentrale Rolle spielt dabei der rasche Abfall des Progesterons und die erhöhten Prolaktinwerte oder die Prolaktinsensitivität in der Mitte oder gegen Ende des Metöstrus. Folgende Symptome können auftreten, müssen aber nicht: 

Anschwellen der Milchleisten mit leichter bis starker Milchsekretion. Gleichzeitig können psychische Veränderungen wie Nestbau, Herumtragen oder Verteidigen von Spielsachen, Fressunlust, Aggressivität gegenüber dem Besitzer oder anderen Hunden, verminderte Lebhaftigkeit bis Apathie auftreten.

Meine eigene Erfahrung: Bei meiner Heidi tritt die Scheinträchtigkeit meist sehr spät auf, erst so gegen 12 Wochen nach der Läufigkeit. In dieser Zeit zeigt sie teilweise aggressives Verhalten gegen ihre vierbeinigen Mitbewohner in unserem Mehrhundehaushalt. Insbesondere bei wichtigen Ressourcen wie Futter, Liegeplätze, die offene Tür des Geschirrspülers. Auch Engstellen sind ein Problem und Terrassentüren. In dieser Phase gilt Management und besonderes Achtgeben auf ihre Körpersprache (besonders die Körperspannung), um die anderen Hunde im Haus zu schützen. Außerdem leidet sie an Morgenübelkeit, daher ist Fressen erst ab Mittag möglich, auch wird oft das "normale" Hundefutter verweigert. Dazu kommt noch, dass sie sehr müde ist und viel mehr kuscheln möchte.

 

Mein Rat:

Es ist nur eine Phase und sie geht auch wieder vorbei, doch wenn eure Hündin zu dieser Zeit genau so geplagt ist, bitte scheut euch nicht, euch von eurem Tierarzt beraten zu lassen (es gibt auch Prolaktinhemmer die sehr gut helfen). Besonders auch dann, wenn ihr einen Mehrhundehaushalt habt und die anderen darunter leiden müssen!

Außerdem soll es hier auch gar nicht um das Für und Wieder einer Kastration gehen, denn das ist eine ganz persönliche Entscheidung, bedenkt aber immer, leidet eurer Hund immer sehr bzw. ist er dadurch starkem Dauerstress ausgesetzt.

 

Zyklus bei alternden Hündinnen:

Bis ins Alter von 5-7 Jahren sind die Zyklusintervalle regelmäßig. Später verlängert sich häufig die Anöstrusphase und damit die Läufigkeitsintervalle. Die Anzeichen der Läufigkeit sind oftmals nicht mehr so ausgeprägt, zu einem definitiven Ende des Sexualzyklus kommt es aber nicht. Oft kann es aber ab einem Alter von 9 Jahren zu Uterusveränderungen kommen.

 

Das Wort zum Schluss:

 

Oftmals wird von vielen Hundehaltern oder auch Trainern der Zyklus der Hündin, wenn es um Hundeverhalten geht, gar nicht berücksichtigt. Wenn plötzlich Hundebegegnungen nicht mehr so gut klappen, es auf einmal Phasen gibt wo die Hündin nicht mehr so leinenführig ist, sie vermehrt an der Leine pöbelt. Sie eventuell nicht so weit spazieren möchte. Oftmals wird geglaubt man müsse das Futter wechseln, weil es nicht angerührt wird.

Natürlich gibt es dafür auch genug andere Ursachen, aber man sollte es im Hinterkopf behalten, falls man eine unkastrierte Hündin zu Hause hat oder im Training vorgestellt bekommt! 

 

Und lasst eure Hündin nicht von der Leine falls sie gerade in ihren "Stehtagen" ist, um Nachwuchs zu vermeiden. Manche Hündinnen sind richtige Ausbruchskünstler, genauso wie intakte Rüden, die eine läufige Hündin riechen.

 

Achtet gut auf eure Vierbeiner, alles Liebe Brigitte!

 

 

 

 

 

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